Was sind Geschäftsprozesse der 4. Art?
Wikipedia:
"Ein Geschäftsprozess beschreibt eine Folge von Einzeltätigkeiten, die schrittweise ausgeführt werden, um ein geschäftliches oder betriebliches Ziel zu erreichen."
consentor:
Ein Geschäftsprozess der 4. Art ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl miteinander vernetzter Einzeltätigkeiten und Akteure (Kompliziertheit) in Verbindung mit einem hohen Maß an Veränderlichkeit in dieser Vernetzung (Dynamik). In der Regel sind durchzuführende Tätigkeiten und zu beteiligende Akteure am Anfang des Geschäftsprozesses nicht vollständig bekannt. Erkennbare Prozessstrukturen bilden sich erst mit der Zeit heraus (Emergenz) und entwickeln sich ständig weiter (Evolution). Geschäftsprozesse der 4. Art sind wegen der daraus resultierenden Komplexität in ihrer Gesamtheit weder erfassbar noch beschreibbar. Sie entziehen sich deshalb den klassischen Methoden einer Geschäftsprozessmodellierung und damit einer operativen Steuerung durch Workflow-Management-Systeme.
Alle Arten kreativ-konzeptioneller Wertschöpfungsprozesse in verteilten Umgebungen wie z.B. standortübergreifende Produktentwicklung, fachübergreifendes Innovationsmanagement oder vernetztes Ideenmanagement sind auf operativer Ebene Geschäftsprozesse der 4. Art.
Kreativ-konzeptionelle Arbeitsvorgänge zeichnen sich naturgemäß durch ein hohes Maß an Selbstorganisation aus. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten findet ad-hoc statt - häufig über den Austausch von e-Mails und Arbeitsdokumenten. Ab einem gewissen Komplexitätsgrad (vgl. Abb. 'Kooperationsstruktur') verlieren die Beteiligten zwangsläufig den Überblick über notwendige Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse (typisches Symptom: e-Mail- und Dokumentenflut). Es kommt zu Unvereinbarkeiten in den Arbeitsergebnissen. Fehlleistungszeiten und -kosten sind die Folge.
Über gängige Paradigmen des Prozessmanagements wird im allgemeinen versucht, Geschäftsprozesse der 4. Art durch ein höheres Maß an Formalisierung (Fremdorganisation) in den Griff zu bekommen. Dies widerspricht jedoch dem Wesen dieser Prozesse und führt zwangsläufig zur Bildung (selbstorganisierter) Informationsschwarzmärkte, weil Termine anders nicht zu halten sind. Abstimmungen werden außeralb definierter Prozesse und Dokumente vorgenommen, was wiederum zu Unvereinbarkeiten in den Arbeitsergebnissen führt.
Die Herausforderung im Umgang mit Geschäftsprozessen der 4. Art besteht also darin, einerseits die natürliche Selbstorganisation zu bewahren und andererseits die Transparenz so zu erhöhen, dass Beteiligte sich innerhalb erkennbarer 'Leitplanken' bewegen und Entscheider im Bedarfsfall steuernd eingreifen können.
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